-->

Die Fliegengöttin

Die Fliegengöttin

Literatur und medizinische Aufklärung

Im Rahmen der „Wege durch das Land“ las Hansjörg Schertenleib am 18. Mai 2019 aus seiner Novelle "Die Fliegengöttin". Hörmann übernahm die Patenschaft für diese Veranstaltung.

Der Autor erzählt in seinem Buch von der unbedingten Liebe eines alt gewordenen Ehepaars – von Eilis und Willem. Sie lebt selbstbezogen in einer kaum mehr zu entwirrenden Gegenwart. Er erinnert und liebt sie. Der Leser erfährt dabei Vieles und Genaues über die Alzheimer Krankheit. Erschreckend und genau ist insbesondere das Leiden Willems, des Pflegenden beschrieben. „Du schaffst das nicht mehr.“ sagen Verwandte und Freunde ohne Willem eine andere Alternative anzubieten als: „Gib sie in ein Heim.“ Willem will nicht. Ob er es schafft, bleibt offen. Eine tragische, tödliche Geste bleibt in der Schwebe. Anders als in Michael Hanekes Film „Liebe“, auf den sich die Novelle ausdrücklich bezieht. Hier bringt der Mann seine Frau um, weil er „es“ nicht mehr erträgt: die Krankheit, seine Frau, das Pflegen.

Schertenleib erzählt faszinierend. Es liegt ihm nicht eigentlich an sozial-medizinischer Information. Aber der Leser/Zuhörer erlebt in seiner Erzählung mit, was es heißt, einen dementen Menschen zu betreuen. Der Leser erfährt es durch die Macht der Literatur. Ihm muss nichts mitgeteilt werden etwa wie in einer Informationsbroschüre.

Das ist die Stärke der literarischen Kunst. Ihre informierende Wirkung ist direkt. Direkter ist nur noch das Leben.