Parkhäuser werden nicht mehr für die Ewigkeit gebaut. Schnell können sich die verkehrstechnischen Rahmenbedingungen ändern, und ebenso schnell sollten deshalb auch diese Kathedralen des Automobilzeitalters eine neue Funktion bekommen – oder ganz verschwinden können. So, wie am Rande Stuttgarts.
Standort: Schwanenweg, Wendlingen am Neckar, DE
Architekt: herrmann+bosch architekten, Stuttgart, DE
Fertigstellung: 2024
Hörmann Produkte: 1-flügelige Stahl-Objekttüren STS 30-1 mit Rundverglasung
Nur mal angenommen, es gäbe keine Autos mehr – also wirklich gar keine, nicht mal elektrisch angetriebene. Was würde dann bloß mit all den Parkhäusern geschehen, die jahrzehntelang gebaut wurden? Und was ist mit den Unmengen CO2, deren Investition in massive Betonwände oder Stahlstützen plötzlich so sinnlos geworden wäre?
Im Stuttgarter Speckgürtel wurde jetzt schon die Antwort darauf gefunden: Aus dem neuen Parkhaus des Stuttgarter Büros hermann+bosch architekten würden Wohnungen oder Büroräume – weil schon in der Planung darauf geachtet wurde, nicht nur für Autos, sondern auch für Menschen zu entwerfen. Aber was, wenn es dereinst sogar Wohnraum in Hülle und Fülle gäbe? Ja – dann könnte das Holz-Parkhaus einfach wieder auseinandergebaut und sortenrein getrennt werden. Denn in Wendlingen wurden die Bauteile einfach nur ineinandergesteckt. Der Rückbau ist schon im Entwurf mitgedacht.
Problemlöser
Einstweilen steht das ungewöhnliche Oval neben den Bahngleisen allerdings noch für Problemlösungen der Gegenwart. Die Form ergab sich aus der zur Verfügung stehenden Fläche und den benötigten Parkplätzen, die es zu ersetzen galt. Denn wer in Wendlingen und damit im Stuttgarter Ballungsraum wohnt, der muss zur Arbeit auch schon mal nach Stuttgart, Sindelfingen oder gar Ludwigsburg. Sinnvollerweise geschieht dies mit der S-Bahn – und das Auto steht so lange im neuen Parkhaus direkt am Bahnhof. 349 Fahrzeuge haben auf den fünf Ebenen Platz und stehen so lange auch nicht im Stau auf der A8 oder der B27. Hinzu kommen nochmals 200 Fahrräder, die für den Weg zur S-Bahn genutzt wurden. Wer zum ersten Mal in dieses ungewöhnliche Parkhaus einfährt, dem fällt sofort auf: Es gibt keine bedrückend niederen Decken. Und weil stützenfrei gebaut wurde, rangiert es sich nicht nur viel unbeschwerter. Die Parkbuchten können der womöglich wechselnden Breite künftiger Auto-Generationen ganz einfach angepasst werden. Mehr als aufgemalte Markierungen am Boden gibt es hier nämlich nicht.
Zukunftsfähig
Weil statt der in Parkhäusern üblichen Deckenhöhe von 2,1 Metern nun 2,35 Meter oder gar – zwischen den Trägern – 3,40 Meter Platz ist, endet das Parkhausleben auch nicht mit dem Ende der Auto-Ära. Alles ist vorbereitet, um aus Parkplätzen Wohnungen oder Büroräume zu machen. Falls nun der Rückbau des Gebäudes aber wirklich unvermeidlich werden sollte, dann lassen sich die Steckverbindungen der Stützen aus Brettschichtholz und der Decken aus Brettsperrholz einfach wieder lösen. Der langlebige Gussasphalt der Fahrbahnen wurde vorsorglich auf einer Trennschicht verlegt, und somit steht einer sortenreinen Trennung der Bauelemente auch wirklich (fast) nichts im Wege. Allein die beiden Treppenhäuser mussten aus Beton entstehen. Statik und Brandschutz eben.
Vorbildhaftes Bauen
Eine transluzente Fassade auf der Nordseite bewahrt das geplante Wohngebiet vor dem Autolärm der rangierenden Fahrzeuge. Die PV-Anlage auf dem begrünten Dach füttert nicht nur die E-Bike-Ladestationen mit Strom, sondern auch Aufzüge und Beleuchtung. Und weil das Regenwasserkonzept starke Abflüsse ins Kanalnetz vermeidet, sind auch künftige, besonders heftige Regengüsse kein Problem mehr. Das Wendlinger Holzparkhaus ist für alle Eventualitäten der Verkehrszukunft gerüstet. Und weil die Stuttgarter IBA 2027 – 100 Jahre nach der Weißenhofsiedlung – wieder vorbildhaftes Bauen zeigen möchte, gehört das Holzparkhaus Wendlingen verdient zu deren Auswahl.
Das Parkhaus am Bahnhof Wendlingen ist kein gewöhnliches Parkhaus. Es ließe sich fast vollständig und sortenrein zurückbauen, wenn es nicht mehr benötigt wird. Heute ist es als stark frequentierter Mobilitätsbaustein konzipiert, der täglich von vielen Pendlern genutzt wird: Rund 350 Stellplätze für Autos und 200 für Fahrräder sorgen für entsprechend hohe Bewegungsströme innerhalb des Gebäudes. Im Treppenhaus trennen Stahl-Objekttüren STS in T30-Ausführung von Hörmann die Parkflächen zuverlässig ab – ihre zentrale Aufgabe: Brandschutz. Im Ernstfall ermöglichen sie eine sichere Abtrennung der Brandabschnitte und leisten damit einen entscheidenden Beitrag zum Schutz von Menschen und Gebäudestruktur. Darüber hinaus erhöhen die Türen den Nutzungskomfort und die Sicherheit im Alltag. Die integrierten kreisrunden Durchblickfenster schaffen klare Sichtbeziehungen durch das Türblatt. Sie ermöglichen es, Gegenverkehr frühzeitig zu erkennen und die Tür situationsgerecht zu öffnen. Gerade in stark frequentierten Treppenhäusern reduziert das die Gefahr von Zusammenstößen und unterstützt einen reibungslosen Verkehrsfluss.
Standort: Schwanenweg, Wendlingen am Neckar, DE
Bauherr: Stadt Wendlingen am Neckar, DE
Architekt: herrmann+bosch architekten, Stuttgart, DE
Tragwerk: knippershelbig, Stuttgart, DE
BGF: 10.880 m²
Baukosten: rund 11 Mio. €
Fertigstellung: 2024
Fotos: Joachim Grothus, Herford, DE
Hörmann Produkte: 1-flügelige Stahl-Objekttüren STS 30-1 mit Rundverglasung