Tempo, Tempo – das ist das Leitmotiv einer neuen Raststation der Generation 2.0 südlich von Hamburg. Der Autohof „Break“ an der A7 ist die Weiterentwicklung des klassischen Bautypus hinein in die Welt der E-Mobilität und des mobilen Arbeitens.
Standort: Thaneberg 1, Egestorf, DE
Architekt: LAVA, Stuttgart, DE
Fertigstellung: 2023
Schörghuber Produkte: Hotelzimmereingangstüren T30 Brand-/Rauchschutztür mit Schallschutz Rw = 37 dB oder 42 dB mit Zutrittskontrolle, Badtüren mit Feuchtraumausstattung
Hörmann Produkte: 2-geteilte Stahlumfassungszarge zum nachträglichen Einbau, Stahleckzarge
Raststätten an Highways oder Autobahnen waren lange das Sinnbild eines neuen und beschleunigten automobilen Zeitalters. Straßen führten nicht mehr in die Dörfer und Städte hinein. Stattdessen ging es zeitsparend stets daran vorbei. Der Nachteil: Auch die fürs Reisen nötige Infrastruktur wurde links liegen gelassen. Ein neuer Bautypus wurde nötig: Die Raststätte mit allen Serviceeinrichtungen für Fahrzeuge und Reisende. Und mit dem Beginn der E-Mobilität findet nun eine Weiterentwicklung statt. Der „Break Autohof Hamburg-Nordheide“ an der A7 bei der Abfahrt Evendorf ist in diesem Sinne strikt zukunftsorientiert und greift dennoch auf eine Bauform zurück, die mit den Postkutschenstationen eigentlich ausgestorben schien.
Längerer Aufenthalt
Als noch regelmäßig die Pferde gewechselt werden mussten, war das klassische „Hotel Post“ bereits ein multifunktionales Konzept. Mit der automobilen Revolution verkürzte sich der Aufenthalt auf jene Minuten, die für das Befüllen eines Benzintanks gebraucht wurden. Mit dem Einsatz von Elektro-Autos verlängert sich der nötige Aufenthalt nun wieder auf jene klassische halbe Stunde an der Ladesäule. Umso wichtiger wird es, diese 30 Minuten nicht sinnlos wartend hinterm Lenkrad zu verbringen. Die althergebrachten Services gewinnen wieder an Bedeutung. Die Ladezeit kann im Autohof in verschiedenen Gastronomieangeboten verbracht werden. Es gibt den Fastfood-Bereich für all jene, die klassisch tanken oder an der zeitsparenden Schnellladesäule stehen. Es gibt den Slow-Food-Bereich für Langsam-Lader, bummelnde Touristen oder die Trucker in ihrer vorgeschriebenen Ruhezeit. Schicke Duschkabinen machen Letzteren die Pause angenehmer. Und wer nicht in der Schlafkabine hinterm Laster-Lenkrad oder im Wohnmobil nächtigen kann, für den sind die Hotelzimmer gedacht.
Schnittige Tankstelle
Das Projekt in der Nordheide ist lediglich der Anfang. Denn das Konzept soll an verschiedensten Standorten „ausgerollt“ werden und ist konstruktiv dementsprechend einfach multiplizierbar. Die Grundstruktur ist sehr klar: Auf einem zweigeschossigen Sockel aus Stahlbeton sitzen die komplett vorgefertigten Hotelzimmer in Holzmodulbauweise. Das Ganze wird von einer Fassadenunterkonstruktion in Stahl-Leichtbau umfasst und schließlich mit einer textilen Membran verkleidet. Das vorgesetzte Tankstellendach ist aus Stahl und wird mit Trapezblech und ETFE-Kissen abgedeckt.
Die Architektur erinnert durchaus bewusst an jene schnittigen Tankstellenbauten der 1950er-Jahre, als an den Highways der Vereinigten Staaten die stromlinienförmigen Automobile unter Flugdächern betankt und von fleißigen Tankwarten gewartet wurden. Der kurze Aufenthalt war dann bestenfalls ein Boxenstopp. Der Platz hinterm Lenkrad wurde kaum einmal verlassen. Diese schnittige Optik wurde auch im Autohof „Break“ zitiert – kommt aber erst nach Einbruch der Dunkelheit so richtig zur Geltung. Denn die transluzenten Membranen, die um den Betonsockel und die gestapelten Module gespannt werden, entfalten ihre volle Wirkung erst in der Dunkelheit. Tagsüber stemmen sich die schräg platzierten Stützen des Tankstellendachs gegen die angenommene Neigung des Gebäudes, sich einfach davonzubewegen.
Autoreisecenter 2.0
Im Inneren hat sich das Angebot den neuen Arbeitszeitmodellen angepasst. Denn ein „Co-Working-Space“ bietet mobilen Büroarbeitern temporäre Arbeitsplätze und Raum für Konferenzen „on the road“. Eine Microbrauerei mit Ausschank ist dagegen weniger für Durchreisende gedacht, sondern eher für Übernachtungsgäste – und vor allem für die örtliche Bevölkerung, für die das Autoreisecenter 2.0 zur Ergänzung der lokalen Gastronomie wird.
In einem Autobahnhotel zählt vor allem eins: Effizienz. Gäste sollen hier in erster Linie Kraft für die Weiterfahrt schöpfen und keinen Urlaub verbringen. Daher prägen vor allem eine durchdachte Organisation und robuste Materialien das Entwurfskonzept. Über einem massiven Sockelgeschoss sind die Zimmer als vorgefertigte Holzmodule angeordnet. Diese serielle Bauweise setzt sich im Innenausbau fort, wo Wiederholung, Standardisierung und gestalterische Einheit dominieren. Eine zentrale Rolle spielen die Hotelzimmertüren von Schörghuber, ergänzt durch passende Badtüren – beide in einheitlicher Eiche-Optik gestaltet. Die Eingangstüren trennen den öffentlichen Bereich vom privaten Rückzugsort. Gleichzeitig erfüllen sie wichtige Anforderungen: Sie dämmen Geräusche aus dem Flur, regeln den Zutritt und bieten Brand- sowie Rauchschutz. In einigen Zimmern sorgt eine verstärkte Schalldämmung für zusätzlichen Komfort. Die Badtüren greifen das Design der Eingangstüren auf, sind jedoch speziell für Feuchträume konstruiert. Ergänzend kommen einige weitere Funktionstüren hinzu, die sich optisch und materialtechnisch in das Gesamtkonzept einfügen.
Standort: Thaneberg 1, Egestorf, DE
Bauherr: ARC Evendorf GmbH & Co. KG, Stuttgart, DE
Architekt: LAVA, Stuttgart, DE
Tragwerk: str.ucture GmbH, Stuttgart, DE
Innenarchitektur: SODA Group, Bochum, DE
BGF: 5900 m²
Baukosten: 13,5 Mio €
Fertigstellung: 2023
Fotos: Joachim Grothus, Herford, DE
Verarbeiter: Künzli Deutschland GmbH, München, DE
Schörghuber Produkte: Hotelzimmereingangstüren T30 Brand-/Rauchschutztür mit Schallschutz Rw = 37 dB oder 42 dB mit Zutrittskontrolle, Badtüren mit Feuchtraumausstattung
Hörmann Produkte: 2-geteilte Stahlumfassungszarge zum nachträglichen Einbau, Stahleckzarge