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Schnell retten

Feuerwehrhaus in Keltern

von schleicher.ragaller

Schnell hin und schnell wieder weg kommen die Feuerwehrleute in Keltern. Ihr neues Feuerwehrhaus steht nun außerhalb des Ortes und direkt an der Landesstraße. Und dieses neue Tempo ist nicht der unwichtigste Aspekt bei einem Gebäude dieser Art. 


Standort: L562 zwischen Keltern und Elmendingen
Architekt: schleicher.ragaller architekten, Stuttgart, DE
Fertigstellung: 2026
Hörmann Produkte: Industrie-Sektionaltore ALR F42


Türen, Fenster, Ausschnitte und Betonflächen ergeben ein ansprechendes grafisches Erscheinungsbild.

Dorfbewohner wissen es. Städtern muss man es erklären: Die Freiwillige Feuerwehr ist in ihrer Bedeutung für das Leben in kleinen Gemeinden kaum zu überschätzen. Hier werden Mädchen und Jungs sozialisiert, und im Feuerwehrhaus liegt der Moussierpunkt des lokalen Gemeinschaftslebens. Dass die Freiwillige Feuerwehr auch noch Brände löscht, bei Überschwemmungen eingreift, bei Festen Brandsicher­heitswache hält, bei Umzügen den Verkehr umleitet und bei Bedarf auch mal Katzen vom Baum holt, ist selbstverständlich. Einsätze, Übungsabende und Feuerwehrfeste fressen die Frei­zeit in den Diensten der Allgemeinheit auf – und entsprechend hoch ist die örtliche Wertschätzung für die Männer und Frauen, die sich hier engagieren. 

Kulminierter Respekt
Die noch eher junge Gemeinde Keltern entstand aus fünf ehemaligen Dörfern, liegt westlich von Pforzheim und am nördlichen Rand des Schwarzwaldes. Hier kulminierte der Respekt der knapp 9000 Bürgerinnen und Bürger in einem Gebäude, das als die größte Investition seit Bestehen der Gemeinde in die lokale Chronik eingehen wird. 12,5 Millionen Euro stecken in dem Projekt, das die beiden völlig veralteten Feuerwehrhäuser in den Ortsteilen Dietlingen und Elmendingen ersetzen sollte. 2016 beschlossen und 2018 im Wettbewerb entschieden, fand 2022 der Spatenstich statt. Im Frühjahr 2026 konnten die Ortsfeuerwehrleute schließlich einziehen. Der Neubau steht zwar nicht mehr in den Ortskernen, sondern dazwischen, dafür aber verkehrsgünstig an der L562. Es gibt 50 Parkplätze für die im Notfall aus allen Richtungen herbeiströmenden Einsatztrupps – die dann schnell die Feuerwehrfahrzeuge in den acht Boxen besteigen können. Die Garderoben sind ebenerdig hinter der Fahrzeughalle untergebracht. Die aus Hollywoodfilmen bekannte Rutschstange wird in Keltern also nicht gebraucht. 

Emblematischer Turm
Verwaltung, Schulungsbereiche und Räume für die Jugend­feuerwehr sind im Obergeschoss und in einem angegliederten Funktionsbereich untergebracht. Eine Galerie mit Oberlichtband dient als optische Verbindung zu den Fahrzeugen. Die Funk­tionen sind so organisiert, dass sich auch im Inneren die Wege nicht kreuzen, wenn es einmal schnell gehen muss. Das Archi­tekturbüro schleicher.ragaller verzichtete bewusst darauf, das Feuerwehrhaus in traditionellem Rot zu gestalten. Die Holzlattung ist stattdessen schwarz lasiert und will damit eine ortsübliche Materialität aufnehmen. Das begrünte Dach bettet das Bauwerk zusätzlich in die Landschaft ein. Dafür wurde dem Feuerwehrhaus aber der emblematische Turm angefügt. Obwohl ein Ausguck nicht mehr nötig ist, um Brandherde zu entdecken und auch die Schläuche üblicherweise nicht mehr zum Trocknen aufgehängt werden müssen, gehört auch in Keltern der Turm zum Feuerwehrhaus wie die Glocken zur Kirche. Nun dient er für Übungen und verbirgt die Außeneinheiten der Wärmepumpenkaskade.

Codierte Zahl
Das langgestreckte Gebäude mit dem Stahlbetonsockel, dem darin plastisch ausgeformten Fenster und den großformatigen Toren schmiegt sich an einen dahinter liegenden Hang. Diese Einbettung in die Topografie der Hügellandschaft reduziert die freiliegende Fassadenfläche. Das ist wirtschaftlich und energetisch sinnvoll. Auf dem Erdgeschoss mit sichtbaren Beton­flächen sitzt das Obergeschoss mit hinterlüfteter Holzver­kleidung. Obwohl die Struktur mit Turm und Wagenhalle das Bauwerk eindeutig als Feuerwehrhaus identifizierbar macht, wurde noch die 112 angebracht, jene kulturell codierte Zahl, die bereits wieder zu einem ikonischen Symbol geworden ist für die Rettung im Falle einer Notsituation – und in kleineren Gemeinden wie Keltern für das Zusammenleben der Menschen.

Noch ist die Halle leer. Bald dominieren hier jedoch die Feuerwehrautos.
Markante Faschen in der Betonfassade sind ein probates gestalterisches Mittel.
Durch die großzügige Fensterfassade bieten sich in der Dämmerung Einblicke in den Verwaltungstrakt.

Hörmann Expertise:
Verglaste Aluminiumtore

Typische Merkmale eines Feuerwehrhauses sind der Turm, der früher zum Trocknen der Schläuche diente und heute oft als nostalgisches Element erhalten bleibt, die Rufnummer 112, die – obwohl sie jedes Kind kennt – meist gut sichtbar am Turm prangt und die transparenten Industrie-Sektionaltore, die den Blick auf die Einsatzfahrzeuge freigeben und so die Funktion des Gebäudes unterstreichen. Die Tore sind hier nicht nur Abschluss des Gebäudes, sondern integraler Bestandteil einer Infrastruktur, die auf schnelle Abläufe, Langlebigkeit und klare Funktionen ausgelegt ist. Im Alarmfall dürfen sie den Einsatz nicht verzögern, im Alltag müssen sie häufiges Öffnen und Schließen zuverlässig bewältigen. Deshalb kommen robuste, wartungsarme Industrie-Sektionaltore aus Aluminium zum Einsatz. Darüber hinaus tragen die Tore auch zu einer ruhigen, harmonischen Gesamtwirkung des Gebäudes bei. Ansichtsgleiche Sprossenanordnungen der Aluminium-Verglasungsrahmen und der teilweise integrierten Schlupftüren sorgen für klare Linien und eine stimmige Einheit entlang der Gebäudeflucht.

Standort: L562 zwischen Keltern und Elmendingen
Bauherr: Gemeinde Keltern, DE
Architekt: schleicher.ragaller architekten, Stuttgart, DE
Tragwerk: IngenieurGruppe Bauen, Karlsruhe, DE
BGF: 8073 m²
Fertigstellung: 2026
Fotos: Joachim Grothus, Herford, DE
Hörmann Produkte: Industrie-Sektionaltore ALR F42

Einige der Industrie-Sektionaltore sind durch eine Schlupftür ergänzt.
Harmonisches Gesamtbild: Die waagerechten Aluminiumrahmen verlaufen ansichtsgleich in einer durchgehenden Flucht.
Schlupftüren ermöglichen den schnellen Durchgang, ohne das gesamte Tor öffnen zu müssen.
Grundriss Obergeschoss
Grundriss Erdgeschoss
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