Masse und Klasse
Hochhäuser sind hierzulande keine alltägliche Bauaufgabe. Auch nicht für Jürgen Lösch von der Firma „Jens Dunkel Glas- und Bauelemente GmbH“. Er war bei „The Spin“ für die Türen von Schörghuber zuständig.
Hochhäuser sind keine alltägliche Aufgabe: Was sind die Herausforderungen für Verarbeiter?
Die größte Herausforderung ist sicherlich die Logistik. Wie bekommt man die Türen zur Baustelle? Wie gelangen die Türen zum Einbauort? Der Verarbeitungsprozess selbst unterscheidet sich nicht von gewöhnlichen Baustellen.
Schörghuber hat rund 1500 Türen geliefert. Wie kann eine so große Menge termingerecht hergestellt und geliefert werden?
Wir haben die Türen stockwerkweise bei Schörghuber bestellt. Die Aufträge werden dann bei Schörghuber nach Aufwand und Ausstattung geprüft, damit Maschinenzeiten und Bearbeitungszeiten festgelegt und eingetaktet werden können. Gleichzeitig werden dort die Lieferzeiten der einzelnen Zulieferteile geprüft und zeitgleich bestellt.
Wie läuft denn die Logistik auf der Baustelle selbst ab?
The Spin liegt zentral in der Frankfurter Innenstadt. Platz ist also rar. Für die Logistik war die Firma GP Log – ein Tochterunternehmen des Bauherrn Groß & Partner – zuständig. Der Ablauf war perfekt organisiert: 48 Stunden vor Anlieferung musste die Lieferung angemeldet werden. Dann bekam man ein Entladefenster zugewiesen. Innerhalb dieser Zeit musste die Lieferung abgeladen und über einen der großen Außenaufzüge zum Einbauort gebracht werden, damit die nächste Lieferung eines anderen Gewerks angeliefert werden konnte.
Die meisten Türen sind im Hotelbereich verbaut. Welche Anforderungen sind hier wichtig?
Hotelzimmertüren sind in der Regel Schallschutztüren mit Rauchschutzfunktion. Im NH Hotel bekamen die Zimmer jedoch T30-Brandschutztüren; Brandabschnitte sind mit T90-Brandschutztüren unterteilt. Die Nassraumzellen sind in Spanien vorgefertigt worden und wurden fertig zusammengebaut geliefert und in die Zimmer eingefügt. Vor Ort wurden dann nur noch rund 7,5 Zentimeter starke Leichtbauwände eingezogen und die Türen mit Hörmann Stahlzargen eingebaut.
Gibt es weitere, besonders ausgestattete Türen?
Im Lobbybereich gibt es eine Tapetentür, die sich direkt hinter der Rezeption befindet. Sie ist mit derselben grafischen Oberfläche wie die Wand belegt und somit kaum sichtbar. In den Konferenzsälen des NH Hotels sind zweiflügelige Türen mit Oberblende verbaut. Die Türen in den Büroebenen wurden nach den Wünschen der Mieter gestaltet.
In Hochhäusern ist der Brandschutz aufwändiger als bei normalen Gebäuden. Welche Rolle spielen Türen dabei?
Hochhäuser ab einer gewissen Größe brauchen zwei notwendige Treppenhäuser. Im Brandfall wird dort der Luftdruck erhöht, damit sie rauchfrei bleiben. Als zusätzlicher Schutz dienen Schleusentüren. Sie bestehen im „The Spin“ aus einer T30-Brandschutztür aus Stahl von Hörmann auf der Seite der Treppenhäuser und einer T30-Brandschutztür aus Holz von Schörghuber auf der Seite der Flure. Der Raum dazwischen hat – wie das Treppenhaus – einen erhöhten Luftdruck, damit auch er rauchfrei bleibt. Zusätzlich ist er an die Entrauchungsanlage angeschlossen. Beide Türen sind mit einem automatischen Obertürschließer versehen, der sowohl im Normalbetrieb als auch im Brandfall die Tür selbstständig schließen muss.
Worauf kommt es bei Planung und Einbau von Schleusentüren aus Sicht des Verarbeiters besonders an?
Das Verhältnis zwischen Türblattgröße und Raumgröße muss stimmen. Zunächst herrscht in der Schleusenkammer grundsätzlich ein erhöhter Luftdruck. Je größer die Tür, desto größer der Öffnungswiderstand. Der erhöht sich sogar noch beim Öffnen der innenliegenden Tür: Die Luft in der Schleusenkammer wird temporär komprimiert und dadurch die Kraft auf die Tür noch einmal verstärkt. Ist sie zu hoch, ließen sich die Türen nicht mehr öffnen. In solchen Fällen helfen größere Schleusenkammern, Überströmer oder Drehtürantriebe. Darauf muss bei der Planung unbedingt geachtet werden.
Groß & Partner ist sowohl Bauherr als auch ausführender Planer – was macht diese Konstellation in der Zusammenarbeit besonders?
Groß & Partner ist eine Grundstücksentwicklungsgesellschaft, die über eine eigene Planungsabteilung verfügt. Je weniger unterschiedliche Planer beteiligt sind, desto einfacher sind die Absprachen. Das hat mit Groß & Partner aber genauso gut geklappt wie mit Hadi Teherani, der im NH Hotel auch die ausführende Planung übernommen hat.