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Gerecht

Wohnanlage in Ingolstadt

von Diezinger Architekten

„Geht doch!“ – möchte man spontan beim Anblick dieses Ensembles ausrufen. Es ist also doch möglich, kostengünstigen Wohnungsbau und hochkarätige Architektur miteinander auszusöhnen. Und dass einer der neuen Ingolstädter Türme ganz besonders hoch hinaus will, macht auch noch Sinn.


Standort: Stargarder Straße 15 / 17 / 19 / 21 / 23, Ingolstadt, DE
Architekt (LP 2-4): Diezinger Architekten, Eichstätt, DE
Architekt (LP 5-8): aichner kazzer architekten, München, DE
Fertigstellung: 2024
Hörmann Produkte: Stahl-Objekttüren H3-1 OD, H16-1 OD, D65-1 OD; Aluminium-Rohrrahmenobjekttüren HE311, HE331 (Festverglasung)
Schörghuber Produkte: Max Schierer GmbH, Cham, DE


Die Wohntürme stehen zwar in unmittelbarer Nähe zur Ringstraße, aber auch direkt am Grünstreifen entlang der Donau.

Auf 10.000 Quadratmetern Grundstück standen hier zuvor zwei Wohnblocks aus den 60er-Jahren mit gerade einmal 40 Wohnungen. Weil Ingolstadt aber wächst, muss Wohnraum her. Aus 40 Wohnungen wurden 161 und aus einem nicht unbedingt bevorzugt platzierten Areal direkt an einer stark befahrenen Straße wurde ein neues, hochattraktives Quartier. 
Maßgeblich war die Entscheidung von Diezinger Architekten, die geforderten 161 Wohnungen auf fünf Blöcke unterschiedlicher Höhe zu verteilen. Diese wurden so geschickt auf einer großen Tiefgarage als Sockelebene verteilt, dass ein lauschiger Binnenbereich entstand. Ein fast schon urbaner Platz ohne Autos, aber mit Kindertagesstätte und Gemeinschaftsbereich. 

Angenehme Heterogenität
Brückenartige Verbindungen zwischen den Blocks und darunter hindurchführende Passagen sorgen für Enge und Weite in abwechselnder Rhythmik. Dass hier tatsächlich mehrere hundert Menschen in verschieden großen Appartements untergebracht sind, ist kaum zu bemerken. Die Verdichtung führt nicht zu einer belastenden Ballung, sondern zu angenehmer Heterogenität.

Die Wohnungen sind in alle Himmelsrichtungen orientiert – besitzen aber stets eine Verbindung ins Freie. Die allermeisten haben sogar eine dreiseitig umschlossene Loggia, alle anderen verfügen über einen Balkon. Die kleinsten Apparte­ments für Alleinlebende haben nur 30 Quadratmeter, die größten Wohnungen verfügen über sechs Zimmer auf 160 Quadratmetern. Hochwertig ausgestattet mit elastischen Bodenbelägen und bodengleichen Duschen ist das Projekt ein Beispiel dafür, dass auch im geförderten Wohnungsbau hohe Qualität möglich ist. „Effizient bauen, leistbar wohnen – mehr bezahlbare Wohnungen in Bayern“: Unter diesem Titel läuft das Modellvorhaben für experimentellen Wohnungsbau des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr. Was entlang der nahen Donau und an der Ostseite des Areals als „Grünzug Pommern­weg“ Erholung bietet, das wird geschickt bis ins Innere des Quartiers fortgeführt und als amorphe Vegetationsinseln auf dem zentralen Platz integriert. Drei der fünf Gebäudedächer wurden begrünt, auf den beiden anderen verhinderte dies der Brandschutz. 

Tierfreundlich
Und wer noch nicht weiß, was „Animal-Aided Design“ ist, der kann es hier lernen. Denn in der Stargarder Straße sollen auch Igel, die Schmetterlingsart Admiral und diverse Vögel eine Heimat finden. Statt nachträglich Nistkästen an Bäume zu nageln und mühevoll die Voraussetzungen für ein Biotop nachzubilden, greift Animal-Aided Design bereits am Beginn des Planungsprozesses. Die Bedürfnisse von Wildtieren sollen damit besser in die Planung von Gebäuden und Grünflächen integriert werden. 

In Ingolstadt wurde die hinterlüftete Ziegelfassade der Türme mit integrierten Mini-Appartements für gefiederte Neubewohner ausgestattet. Sandflächen im Innenhof sind Vogelbäder, ein Trinkwasserbrunnen mit Überlaufkante dient als Tränke. Und weil nicht nur Menschen, sondern auch Vögel unterschiedliche Bedürfnisse (und ebenso unterschiedliche Körperformen) haben, sind auch die Ein­flug­öffnungen der neuen, fassadenintegrierten Nistkästen verschieden groß und variantenreich geformt. Wo ein dicker Star stecken bleiben würde, da passt eine schlanke Blaumeise problemlos durch. Wer die Fassade näher studiert, der findet deshalb auch verschiedenste „Wohnungseingänge“. Das Wohnquartier „Stargarder Straße“ ist ein Beispiel dafür, wie Wohnhochhäuser in menschlichem Maßstab, bemerkenswerter Architektur und naturnaher Planung entstehen können.

Balkone ragen im unteren Teil der Wohntürme aus der Fassade heraus.
Die Brüstungen setzen sich farblich ab und strukturieren die Fassade.

Hörmann Expertise:
Stahl-Objekttüren zur Orientierung

Fünf Punkthochhäuser bilden zusammen die Wohnanlage in Ingolstadt. Sie alle sind über einen zwei- bis dreigeschossigen Sockel miteinander verbunden, der wiederum auf einem durchgehenden Untergeschoss steht. Dort befinden sich Räume für die Haustechnik, teilweise die Kellerräume der Bewohner und die Tiefgarage. Damit sich die Bewohner zurechtfinden, haben sich die Architekten ein Konzept ausgedacht: Fünf zueinander passende Farben sorgen für Orientierung. Mit ihnen sind nicht nur die Betonböden in den „öffentlichen“ Bereichen wie den Fluren und Treppenhäusern gestrichen. Auch die Stahl-Objekttüren zwischen der Tiefgarage und den Treppenhäusern sind im selben Farbton lackiert. Neben der wegweisenden Farbe sind die Türen mit großzügigen Glasausschnitten ausgestattet, damit man gleich sehen kann, ob hinter der Tür Kollisionsgefahr mit anderen Bewohnern der Häuser droht. Andere Türen, die nicht der Orientierung dienen wie die großformatigen Aluminium-Rohrrahmenobjekttüren oder das Feuerschutz-Schiebetor, sind dagegen anthrazitfarben lackiert. Auch sie haben Glasausschnitte für eine bestmögliche Transparenz.

Standort: Stargarder Straße 15 / 17 / 19 / 21 / 23, Ingolstadt, DE
Bauherr: Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft, Ingolstadt, DE
Architekt (LP 2-4): Diezinger Architekten, Eichstätt, DE
Architekt (LP 5-8): aichner kazzer architekten, München, DE
Tragwerk: Michael Heubl IB für Baustatik, Ingolstadt, DE
BGF: 23.710 m²
Baukosten: 46,5 Mio. €
Fertigstellung: 2024
Fotos: Laura Thiesbrummel, München, DE
Hörmann Produkte: Stahl-Objekttüren H3-1 OD, H16-1 OD, D65-1 OD; Aluminium-Rohrrahmenobjekttüren HE311, HE331 (Festverglasung)
Hörmann Verarbeiter: Max Schierer GmbH, Cham, DE

Zur besseren Orientierung sind die Türen ...
... zu den Treppenhäusern farblich unterschiedlich.
Dort, wo kein Tageslicht mehr einfällt, sind die Oberlichter durch Oberblenden ersetzt.
Sichtbeton und Metall sorgen für eine kühle Eleganz im Treppenhaus.
Die Tiefgarage erstreckt sich über die gesamte Baufläche und verbindet die einzelnen Baukörper im Untergeschoss miteinander.
Allgemeine Türen und Tore wie hier das Feuerschutz-Schiebetor sind in neutralem Anthrazit lackiert.
"Nur"die Erschließungszone - und doch nutzen die Architekten angemessene Gestaltungsmöglichkeiten.
Geschosshohe Rohrrahmenelemente bilden die Haupteingänge.
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