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Gelöst

Revitalisierung in Lübeck

von PPP Architekten + Stadtplaner

In den 1960er-Jahren waren sie noch gut gemeint; inzwischen haben sie sich häufig zum Problem im Stadtbild entwickelt: Aus vernachlässigten Wohnhochhäusern werden mit der Zeit soziale Brennpunkte. Es sei denn, es wird rechtzeitig gegengesteuert – so wie in Lübeck.


Standort: Sterntalerweg 1-3, Lübeck, DE
Architekt: ppp architekten + stadtplaner, Lübeck, DE
Fertigstellung: 2025
Hörmann Produkte: Stahl-Objekttüren H3 OD


An beiden Längsseiten des Gebäudes setzten die Architekten dem Bestand ...
... eine selbsttragende Stahlbeton-Fertigteil-Konstruktion vor.

Der Stadtteil „Moisling“ sieht auf den ersten Blick keineswegs wie ein Problemumfeld aus. Im Gegenteil: Schnuckelige Siedler­häuschen mit zumeist gepflegten Vorgärten deuten zwar nicht gerade auf großbürgerliches Wohnen hin. Dennoch entwickelte sich Moisling laut städtischem Sozialmonitoring zu einem sozial benachteiligten Quartier. Die Kennzeichen: Hohe Bürgergeld-Quote, viele Menschen ohne Arbeit, Sub­stanz­probleme im Wohnungsbestand – und mittendrin ein Wohnhochhaus als Symbol des nötigen Aufbruchs.

Prägnanter Knick
Was einst auch in Moisling als urbanes Leuchtfeuer der Mo­der­ne gedacht war, geriet angesichts steigender Ansprüche und trotz Instandhaltung mit den Jahren zur veritablen Restruk­turierungsaufgabe. Die Lübecker Hochhausscheibe mit dem prägnanten Knick litt unter statischen Mängeln: Die Freisitze waren teils nicht mehr nutzbar. Ein ganzes Geschoss durfte mangels ausreichenden Brandschutzes nicht mehr vermietet werden. Aus dem einst als städtebauliche Landmarke gedachten architektonischen Ausrufezeichen drohte ohne die Sanierung ein weithin sichtbares Mahnmal für den sozialen Abstieg eines ganzen Quartiers zu werden. Die Stadt Lübeck wurde deshalb auf vielfältige Weise aktiv, um dem Stadtteil mit zahlreichen Einzelmaßnahmen wieder auf die Beine zu helfen. Eine mitentscheidende Wende brachte jedoch die Sanierung des Hochhauses. Der Besitzer, die örtliche „Grundstücks-Gesellschaft TRAVE“ entschied sich zum Glück gegen den Abriss und damit für eine erhebliche CO2-Einsparung. Das beauftragte Architekturbüro ppp bepackte den Bestand beid­seitig mit Stahlbeton-Fertigteilen – ein Entwurfsansatz, so einfach wie genial. Die Tragstruktur konnte dadurch verbessert und das Haus um ein ganzes Geschoss aufgestockt werden. Acht zusätzliche Appartements ersetzen nun das alte Mansarddach, unter dem zuvor lediglich Abstellräume für die Mietwohnungen untergebracht waren.

Umorganisation
Die neue Fassade zu den Laubengängen wurde dadurch ein gutes Stück nach außen gerückt und die zuvor unregelmäßige Anbindung der Wohnungen begradigt und optisch beruhigt. Es entstand ausreichend Platz für die nötige außenliegende Wärmedämmung. Die Umorganisation der Grundrisse mit einem verbindenden Laubengang ermöglicht den gleichzeitigen Zugang zu beiden Treppenhäusern, wodurch die Wohnungen nun über einen zweiten Rettungsweg verfügen. Die angesichts der Fortentwicklung der Landesbauordnung sonst nicht mehr neu vermietbaren Appartements im 8. Ober­geschoss können wieder genutzt werden. 

Neue Wertigkeit
Auf der Südseite der Hochhausscheibe entstanden mit den auch dort vorgesetzten Betonfertigteilen neue Loggien und Wintergärten. Die nun vergrößerten Grundrisstiefen machten allerdings zusätzliche statische Eingriffe nötig. Der Fassadenzuwachs ist auf eleganten, V-förmigen Stützen gelagert und mit goldfarben lackierten Gitterrosten als Brüstungen ausgestattet. Das sanierte Hochhaus vermittelt mit solchen relativ einfachen Mitteln nun eine ganz neue Wertigkeit – ohne dabei zur Luxusimmobilie zu mutieren. Der Nebeneffekt dieser Fassadenbrüstungen: Alles, was in der Lebenspraxis von Familien und Singles üblicherweise außerhalb der Miet­wohnungen Platz finden muss, steht nun hinter den goldenen Gitterrosten, die wie eine semitransparente Membran zwischen Privatheit und Öffentlichkeit funktionieren. Sogar die Beschriftungen am Gebäude folgen einem hochwertigen Gesamtkonzept, dem sich auch die beiden Praxen im Erdgeschoss anschließen. Das so sanierte Hochhaus wurde zur Initialzündung für den Wiederaufstieg eines ganzen Quartiers.

An beiden Gebäudeenden führen Treppen hinab ins Kellergeschoss. Die Räume unmittelbar hinter den Türen werden als Fahrradkeller genutzt.

Hörmann / Schörghuber Expertise:
Stahl-Objekttüren

Neben dem Klimawandel sind Wohnungsbau und Verkehrswende bestimmende Themen unserer Zeit. So sind Projekte wie die Revitalisierung dieses Hochhauses in Lübeck Vorbild gleich in mehrerer Hinsicht. Zum einen reduziert der Erhalt des Bestands im Vergleich zu einem Neubau den CO2-Ausstoß. Zum anderen können revitalisierte Bauten sich ändernden Nutzungsbedingungen anpassen – in diesem Fall zum Beispiel durch die Laubengänge und Loggien, aber auch durch so etwas Simples wie Fahrradunterstände. Rund 160 Men­schen wohnen hier – und die meisten davon fahren zumindest zeitweise Fahrrad – der Unterstand auf der Südseite des Gebäudes zeigt es deutlich. Doch nicht nur hier sind die Fahrräder untergebracht: Wer seltener mit dem Zweirad fährt, stellt es im Keller unter. Zwar müssen die Fahrräder entlang der Treppe eine Rampe hinuntergeschoben werden, doch stehen sie dort nicht nur trocken, sondern auch sicher. Dafür sorgen Stahl-Objekttüren, die es schon mit ihrer Grundausstattung Einbrechern schwer machen, ohne großen Aufwand in den Keller zu gelangen. Zudem sind sie robust genug, um nicht durch den Kontakt mit den Fahrrädern in Mitleidenschaft gezogen zu werden.

Standort: Sterntalerweg 1-3, Lübeck, DE
Bauherr: Grundstücks-Gesellschaft TRAVE, Lübeck, DE
Architekt: ppp architekten + stadtplaner, Lübeck, DE
Tragwerk: AWB Ingenieure, Lübeck, DE
BGF: 11.145 m²
Baukosten: 21,5 Mio. €
Fertigstellung: 2025
Fotos: Stephan Baumann, Karlsruhe, DE (S. 39, oben) / Daniel Najock, Lübeck, DE
Hörmann Produkte: Stahl-Objekttüren H3 OD

Schon in ihrer Grundausstattung sorgen die Stahl-Objekttüren für ausreichend Schutz vor Zutritt Unbefugter.
Hinter den Stahl-Objekttüren befinden sich die Abstellräume für Fahrräder.
Grundriss 9. Obergeschoss
Grundriss 1. - 8. Obergeschoss
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