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Neulich auf ...

... der Reeperbahn

Früher hatte die Reeperbahn einen zweifelhaften Ruf. Sicherheit? Ein Fremdwort zwischen Nobistor und Millerntorplatz. Heute ist das anders, erzählt der Leiter der Davidwache, Kay Strasberg.

Wie gelang der Wandel von der mangelhaften Sicherheitslage in den 1970ern/1980ern zur aktuellen? 
Der „Kiez“ hat sich im Laufe der Jahre von einem reinen Rot­lichtviertel zu einer allgemeinen Vergnügungsmeile ge­wan­delt. In den 1970er-Jahren war er bekannt als Zentrum des Nachtlebens, der Prostitution und der Subkultur. Viele Kneipen, Nachtclubs, Striptease-Bars und Sex-Shops prägten das Straßenbild, die Kriminalitätsrate war hoch. In den 1980er-Jahren nahm der offene Drogenhandel und -konsum zu. Gerade in dieser Zeit hat die Polizei ihre Präsenz intensiviert und mehrere erfolgreiche Großrazzien durchgeführt. Langsam kam es zu einem Imagewandel des Kiezes, und ein Gentrifizierungsprozess setzte ein. Die Musik- und Kulturszene blieb zwar lebendig, jedoch mussten einige alteingesessene Institutionen schließen. Der Kiez wandelte sich zunehmend zu einem touristischen Hotspot mit Eventgastronomie, Musicals und modernen Hotels. Gleichzeitig schrumpfte die klassische Rotlichtszene, die Kriminalitätsrate sank insgesamt.

Der Kiez ist bunt – auch auf der Großen Freiheit.
Ähnliche Farben, nur gentrifiziert: das Klubhaus St. Pauli.

Was kann die Polizei als Freund und Helfer zur Sicherheit der Kiezbesucher beisteuern?
Viele unserer Polizeibeamten sind gerade an den Wochenen­den auf dem Kiez sichtbar in Uniform präsent und permanent für die Besucher des Vergnügungsviertels ansprechbar. Unterstützt werden sie dabei unter anderem durch eine prä­ventive Videoüberwachung. Gerade bei drohenden Aggressionen zwischen Personen wird niedrigschwellig eingeschritten. Parallel dazu werden auch die geltenden Waffen- und Glas­flaschenverbote überprüft und durchgesetzt.

Was sind die größten Herausforderungen für die Polizei an einem durchschnittlichen Wochenende auf dem Kiez?
Die Masse! Der Kiez ist gerade an den Wochenenden in den Sommer­monaten Anlaufpunkt für teilweise zehntausende Besucher pro Tag. Großveranstaltungen wie der Hafen­geburtstag, die „Harley-Days“ oder der Schlagermove erhöhen die Besucherzahl nochmal deutlich. Hier gilt es für die Polizei, eine konstante Präsenz und Ansprechbarkeit zu zeigen und jederzeit bei Konfliktsituationen reaktionsfähig zu sein. 

Gab es einen Einsatz auf der Reeperbahn, der Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Ich leite die Davidwache seit April 2025 und durfte den Ein­satz rund um den diesjährigen Schlagermove führen. Die freundliche und positive Grundstimmung bei dieser Groß­ver­anstaltung war absolut beeindruckend. 

Wie nehmen Sie selbst den Kiez abseits Ihres Dienstes wahr?
Ich habe in der Vergangenheit das ein oder andere Kultur­angebot genutzt, aber seitdem ich Leiter der Davidwache bin, verzichte ich aus Compliance-Gründen darauf. 

Welche kulturellen Tipps können Sie unseren Lesern geben?
Ich kann nur den Tipp geben, sich auf die vielfältigen Angebote einzulassen. Beispielsweise ein Theater oder Musical zu besuchen und anschließend in das Nachtleben einzutauchen. Wer Geschichten und Legenden über den Kiez hören möchte, kann bei einer der unzähligen Führungen mitmachen.

Oben trinken, unten boxen: Zur Ritze steht noch für den „alten“ Kiez.

Kay Strasberg

Kay Strasberg 
geboren 1972 in Brandenburg,
begann in seinem 19. Lebensjahr die Ausbildung zum Polizeibeamten und studierte von 1998 bis 2000 an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Fachbereich Polizei, Diplomverwaltungswirt. Erfahrung sammelte er unter anderem als Hundertschaftsführer der Bereitschaftspolizei, Einsatzgruppenführer des Mobilen Einsatzkommandos (MEK/ Spezialeinheiten) und Leiter der Polizeikommissariate in Wandsbek (Leiter des Stabes), HH-Hamm (PK 41) und Bahrenfeld (PK 25). Seit April 2025 leitet er als Polizeioberrat das Polizeikommissariat 15 – besser bekannt als Davidwache.
www.hamburg.de

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