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Neulich in ...

München

Jian Yang kam zum Studium der Architektur nach Deutschland. Ein gewagter Schritt, denn zwischen Deutschland und China liegen nicht nur über 7000 Kilometer – auch die kulturellen Unterschiede könnten größer kaum sein.

Was hat Sie an Deutschland gereizt?
Die Geschichte der modernen Architektur. Ich bin in einer Architektenfamilie aufgewachsen. Das Bauhaus hat in China großen Einfluss. Allgemein hat die Qualität deutscher Gebäude in China einen guten Ruf. Es gibt auch einige qualitativ hochwertige Gebäude deutscher Architekten in China. Deswegen denken viele, wenn man Architektur studieren will, muss man nach Deutschland gehen.

Hat Sie ein Gebäude in Deutschland besonders fasziniert?
Unser Büro von Nickl & Partner in München – das Lindberghatelier. Es ist ein Gebäude mit geringen Baukosten und kurzer Bauzeit, welches hohe räumliche Qualität, Energieeffizienz und niedrige Betriebskosten aufweist. Diese fünf Punkte sind genau das, was chinesische Architekten und Baufirmen gerade in Deutschland lernen wollen. Nicht nur ich, alle chinesischen Besucher finden das Atelier fantastisch.

Und was hat Sie an Deutschland überrascht?
Vieles, zum Beispiel die DIN und andere Normen sind in Deutschland so unglaublich detailliert und vollständig. Das trifft auch auf deutsche Verträge zu. Wenn man zum Beispiel eine Mobilnummer haben möchte, bekommt man einen 20-seitigen Vertrag, in China wären es höchstens drei Seiten. Nach diesen Normen und Verträgen planen deutsche Architekten schließlich Gebäude höchster Qualität. Daher ist es wahrscheinlich eine nicht überraschende Überraschung.

Wie haben Sie das Leben in Deutschland wahrgenommen?
Ich habe an der Technischen Universität Berlin studiert und zunächst fünf Jahre lang in Berlin gelebt. Ich muss sagen, verglichen mit anderen Städten Deutschlands ist Berlin schon besonders. Das Leben dort ist so locker und entspannt. Danach bin ich nach München umgezogen. München empfinde ich als eine sehr traditionelle deutsche Stadt, wo es nicht so locker wie in Berlin zugeht. Dafür ist die Lebensqualität in dieser eleganten Stadt höher.

Welche kulturellen Unterschiede sind Ihnen aufgefallen?
Um es in zwei Schlagworten zusammenzufassen: ruhig und laut. Ich glaube, wenn ein Deutscher das erste Mal China besucht und in ein chinesisches Restaurant geht, empfindet er es als extrem laut. In Deutschland hingegen kommt mir das öffentliche Leben, zum Beispiel in der Bahn oder der U-Bahn, sehr ruhig vor. Das ist meiner Meinung nach keine Frage der Ausbildung oder Höflichkeit. Es sind einfach unterschiedliche Kulturen.

Mit dem Olympiapark schrieben Behnisch & Partner sowie Frei Otto Baugeschichte.
München - eine traditionelle Stadt.
Zumindest typisch bayrisch: Geselligkeit im Münchner Biergarten.

Welche Unterschiede in der Architekturauffassung sind Ihnen aufgefallen?
Die Rolle des Architekten wird unterschiedlich aufgefasst. In China gilt der Architekt als Ingenieur, der das Gebäude nur „zeichnet“. Das ist der falsche Ansatz. In Deutschland wird mehr Vorkenntnis von der Bauaufgabe erwartet. Wenn in Deutschland zum Beispiel ein Krankenhaus geplant wird, dann sollte der Architekt wissen, wie die internen Abläufe funktionieren. Natürlich sind wir immer noch keine Medizinplaner, aber wir haben in Deutschland die Möglichkeit, mit dem Bauherrn über interne Prozesse zu diskutieren und so gemeinsam die beste Lösung zu erarbeiten. Diese fachliche Vorkenntnis fehlt in China, wodurch es zu ständigen Änderungen im laufenden Projekt kommt.

Warum sind Sie ausgerechnet nach München gekommen?
Ich habe an der TU Berlin bei Frau Professor Nickl-Weller studiert. Nach dem Abschluss habe ich in ihrem Büro Nickl & Partner Architekten AG an einem chinesischen Projekt gearbeitet und bin dafür nach München umgezogen.

Welche sind Ihre Lieblingsorte in München?
Das Olympiastadion von Frei Otto. Es ist ein wunderschönes Stadion und wird derzeit auch noch in einen sehr angenehmen öffentlichen Park umgewandelt.

Inwieweit konnten Sie sich in Deutschland integrieren?
Im täglichen Leben hatte ich keine Probleme, mich zu integrieren. Ich finde, ich bin auch jemand, der gerne ruhig bleibt. Bei der Arbeit hingegen versuche ich, mich nicht zu weit zu integrieren, da meine Rolle im Büro und in der Architektur eher die eines Brückenbauers zwischen China und Deutschland ist. Das macht Sinn für unsere laufenden Projekte und den Wissensaustausch.

Was hat Sie letztendlich zurück nach China gezogen?
Ich würde sagen, es war die richtige Zeit, wieder zurück nach China zu gehen. China hat sich in den letzten Jahrzehnten rasant entwickelt, aber im Healthcare-Sektor (dem Bereich, in dem sich viele unserer Projekte ansiedeln) hat man erst vor fünf Jahren einen richtigen Anfang verspürt. Derzeit wird viel von staatlicher und auch privater Seite in diesen Bereich investiert.
Das ist der eine Grund, der andere Grund ist vielleicht noch wichtiger. Auch die Erwartung der Patienten an Gesundheitsbauten hat sich verändert. In China wollen wir nicht mehr in kalten, maschinenartigen Krankenhäusern behandelt werden. Wir wollen auch nicht die letzten Tage unseres Lebens mit unseren Familien in kleinen, dunklen Räumen verbringen. Die räumliche Qualität von Gesundheitsbauten in China war bisher eine traurige Angelegenheit.
Ich glaube, was ich an der TU Berlin gelernt habe und der Ansatz Healing Architecture von Nickl & Partner Architekten – das ist hier genau die richtige Lösung für China. Inzwischen bearbeiten wir einige Krankenhausprojekte für staatliche und private Bauherren in China, und Nickl & Partner hat eine Niederlassung in Beijing aufgebaut. Es war für mich eine große Freude, als Mitarbeiter des Büros nach China zurückzukehren und hier die Idee von Healing Architecture zu etablieren und so ein Stück weit zur Verbesserung der Lebensqualität beizutragen.

Was haben Sie als Chinese während Ihrer Zeit in Deutschland besonders vermisst?
Die Familie – besonders an Weihnachten und traditionellen chinesischen Feiertagen.

Werden Sie nun auch an Deutschland etwas vermissen?
Ja, ich vermisse es, im Biergarten zu sitzen und ein schönes, kühles bayrisches Bier zu trinken. Und auch das ruhige Leben in Deutschland fehlt mir.


Jian Yang
geboren 1985 in Peking, CN
Sein Studium der Architektur absolvierte er an der Technischen Universität Berlin, wo er im Rahmen von Lehrveranstaltungen die Haltung und Herangehensweise von Frau Prof. Nickl-Weller kennenlernte. Nach seinem Abschluss arbeitete Jian Yang für Nickl & Partner Architekten in Berlin und München, bis er 2015 nach Peking zurückkehrte. Dort wirkt er für die chinesische Niederlassung des Unternehmens an der Realisierung zahlreicher Gesundheitsbauten mit. Zu diesen gehören unter anderem das Xi`an Rehabilitation Medical Center, das Shenzhen 2nd Children’s Hospital sowie das Mutter-Kind-Krankenhaus in Qingdao.

www.nickl-architekten.com

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