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Jung

Wohnen in der Jugendherberge in Bayreuth

von LAVA

Mit der neuen Bayreuther Jugendherberge lüftete das Laboratory for Visionary Architecture die mehr als hundert Jahre alte Herbergsidee ordentlich aus. Denn die neue Architektur macht sie als internationale Begegnungsstätte junger Menschen wieder fit für die nächsten 100 Jahre.


Standort: Universitätsstr. 28, 95447 Bayreuth, DE
Bauherr: Deutsches Jugendherbergswerk e.V.
Architekt (Entwurf): LAVA – Laboratory for Visionary Architecture, Berlin, DE
Architekt (Bauleitung): Wenzel + Wenzel, Frankfurt, DE
Fertigstellung: 2017
Hörmann Produkte: 1-flügelige T60 Aluminium-Feuer- und Rauchschutzelemente HE 611 mit Oberlicht, F60 Aluminium-Feuer- und Rauchschutzelemente HE 631

 

 


Das zentrale Atrium dient als Drehscheibe der Unterhaltung, Interaktion und Kommunikation. In unmittelbarer Nähe: der Empfangsbereich.

Die klassische „Jugendherberge“ ist ein deutscher „hidden champion“ in der internationalen Hotellerie. Denn was weltweit als Youth Hostel inzwischen tausende Ableger hat, das erfand 1909 Richard Schirrmann, ein deutscher Realschullehrer und Förderer der „Jugendbewegung“. Mit der Klampfe in der Hand und einem Volkslied auf den Lippen suchten die sogenannten „Wandervögel“ den Weg aus industrialisierter, urbaner Ödnis zurück in die unverdorbene Natur – und brauchten dabei eben gelegentlich auch günstige Übernachtungsgelegenheiten. Lange prägte dieses Jahrhundertwende-Erbe auch Image und Erscheinungsbild vieler Jugendherbergen in Deutschland. Und zu oft wird dort fälschlicherweise noch der diskrete Charme der 1920er-Jahre vermutet. Das wachsende Imageproblem hatte Gründe in erfolgreicher Konkurrenz: Denn billigere und oft schickere „Hostel“–Anbieter haben Hochkonjunktur. Mit dem Workshop „Jugendherberge 2015“ wurde darauf reagiert – und die Architekten von LAVA setzten in Bayreuth erstmals alle Forderungen der Neukonzeption um.

Gemeinschaftliches Erleben
Inhaltlich blieben die Wurzeln erkennbar. Denn weiterhin müsse „Gemeinschaft erlebt“ werden können. Doch nun soll dies – sehr zeitgemäß – in „ganzheitlicher Nachhaltigkeit“ geschehen. Ein hoher zentraler Raum mit vielen Durch­blicken und ungewöhnlicher Gestaltung soll die Gäste stets „staunen“ lassen. Die architektonische Forderung nach authentischer Materialität wurde griffig in die Formel „hart aber herzlich“ übersetzt. Und weil die Bewohner gelegentlich recht grob mit den Herbergen umgehen, wurde die einfache und robuste russische Raumstation MIR zum ideellen Vorbild genommen und nicht – so LAVA – das eher empfindliche Hightech-Pendant der ISS. Für den Bayreuther Neubau wurde ein y-förmiger Grundriss gewählt, bei dem sich der lange und die beiden kürzeren Flügel in einem durchaus spektakulär über mehrere Geschosse reichenden Zentralraum treffen, der nun alle Funktionszonen beherbergt. Die geforderte „erlebte Gemeinschaft“ ergibt sich dort fast von alleine. Und für das erhoffte Staunen unter den Gästen sorgten die Architekten aus dem „Laboratory for Visionary Architecture“ (denn genau dies bedeutet die Abkürzung LAVA) mit ihrer bekannten CAD-geprägten Entwurfshaltung aus komplexen fließenden Formen. Weil aber – siehe oben – die eher grob konstruierte russische MIR Pate stehen sollte, verkamen die eleganten Fassadenschwünge nicht zum formalistischen Selbstzweck. Sie erschließen stattdessen das Haus über mehrere schiefe Ebenen hinweg, ergeben ganz nebenbei so manche barrierefreie Rampe, verknüpfen innen mit außen und vermeiden eine langweilige Aneinanderreihung der 45 Zimmer.

Zukunftstaugliche Jugendherberge
„Hart aber herzlich“ ist eindeutig der Innenausbau. Einfache, aber authentische Werkstoffe sind auf innovative Weise detailliert – ohne deshalb zu komplex und empfindlich für die Nutzung durch Jugendgruppen zu werden. Drehbare Betten machen die Räume flexibel. Robuste Materialien werden zu realitätstauglichen „Nutzeroberflächen“. Bayreuth ist nicht Berlin. Trotzdem kann es die neue Jugendherberge in Oberfranken mit jedem schicken Weltstadt-Hostel aufnehmen und ist ein Symbol des gelungenen Neuanfangs der Jugendherbergsbewegung. Das LAVA-Konzept vertreibt den Mief von mehr als hundert Jahren „JuHe“ aus den Schlafsälen und lüftet Richard Schirrmanns Herbergsidee ordentlich aus. Und dabei zeigt sich: Das Konzept hat nicht nur eine große Vergangenheit. Dank neuer Architektur ist es als internationale Begegnungsstätte junger Menschen wieder zukunftstauglich.

Grüne Farbe und die hölzernen Einbaumöbel verleihen den Zimmern – trotz aller Rauheit – ein wohnliches Flair.
Bewegung wird groß geschrieben: Der Sportplatz liegt direkt hinter dem Gebäude.
Dynamisch zieht sich der Dachrand auf den Boden des Dachgeschosses.
Internationales Flair bringen nicht nur die Gäste: An der Wand prangt Europa als Mural.

Hörmann Expertise:

Aluminium-Feuer- und Rauchschutzelemente

Vier T60 Feuer- und Rauchschutzelemente aus Aluminium von Hörmann trennen den zweigeschossigen, zentralen Raum im Erd- und Obergeschoss von den zwei Flügeln, in denen sich die Gästezimmer der Jugendherberge befinden. Jeweils zwei feststehende Flügel flankieren den Öffnungsflügel der 1-flügeligen Rohrrahmenelemente und lassen etwas natürliches Licht auch in die Flure gelangen. Zudem sorgen sie für eine Sichtverbindung zwischen den Flügeln und dem zentral gelegenen Atrium des Gebäudes. Sämtliche Türen sind serienmäßig mit Gleitschienen-Obertürschließer, Feststellanlage und rechteckigen Glasleisten ausgestattet. Aufgrund des hohen Gewichts des Glases wird der Öffnungsflügel jeweils mit drei 3-teiligen Bändern getragen, die sich dreidimensional verstellen lassen und somit die Tür einfach austarieren. Bis auf die Drückergarnitur, einem abgekröpften Aluminium-Rundgriff, sind sämtliche Bauteile der T60 Türen farblich einheitlich gehalten und in Anthrazit pulverbeschichtet. Damit greifen sie das Farbkonzept auf, das auch für die Fensterrahmen und Handläufe gewählt wurde.

Standort: Universitätsstr. 28, 95447 Bayreuth, DE
Bauherr: Deutsches Jugendherbergswerk e.V.
Architekt (Entwurf): LAVA – Laboratory for Visionary Architecture, Berlin, DE
Architekt (Bauleitung): Wenzel + Wenzel, Frankfurt, DE
Tragwerksplanung: Engelsmann Peters, Stuttgart, DE
Haustechnik: IBT.PAN, Berlin, DE
Brandschutz: Bau.art, München, DE
Leitsystem: Space Agency, London, GB
Brutto-Grundfläche: 3600 m²
Brutto-Rauminhalt: 14.800 m³
Baukosten: 10 Mio. Euro
Fertigstellung: 2017
Fotos: Werner Huthmacher, Berlin, DE / Stephan Falk, Berlin, DE
Verarbeiter: corpuslinea, Hoppegarten, DE
Hörmann Produkte: 1-flügelige T60 Aluminium-Feuer- und Rauchschutzelemente HE 611 mit Oberlicht, F60 Aluminium-Feuer- und Rauchschutzelemente HE 631

Die Rohrrahmenelemente vereinen Transparenz mit Brandschutzanforderungen.
Geradezu edel wirken die anthrazitfarbenen Rohrrahmenelemente im Gegensatz zu den groben Materialien um sie herum.
Die Türen bilden den Feuer- und Rauchabschluss der Wohnflügel.
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